Liebestreu und Grausamkeit

HNA 3.3.05
Märchenabend Hohlebachmühle

Durch Himmel und Hölle

Erlebnisgastronomie: Die Hohlebachmühle wartete mit einem Märchenabend auf.

HOMBERG. Froschkönigsuppe, Schneewittchens Gift-Apfel-Salat und ein Geißlein-Teller mit Wackersteinen auf Kreidesoße - märchenhaft zeigte sich kürzlich die Speisekarte des Restaurants Hohlebachmühle. Doch nicht nur das außergewöhnliche kulinarische Angebot, sondern auch der Blick des Teufels über den Tellerrand lockte die Gäste: Zu Märchen rund um das Thema „Himmel und Hölle“ lud Märchenkönig Achim I alias Achim Vaross ein. In wallendem Gewand und mit glitzernder Krone auf struppig-grauem Haupte zieht der Luft- und Raumfahrtechnik-Ingenieur aus Breuna seit drei Jahren durchs Land. Im Gepäck hat er eine Truhe voller märchenhafter Requisiten und ein riesiges Repertoire fantastischer Begebenheiten für jede Generation. Und die verkörpert er rhetorisch überzeugend und mit vollem Körpereinsatz (Gänse-)hautnah: Einen eisigen Windstoß und eine knarrende Holztür stellt er ebenso lebensecht dar wie das Wimmern eines Bettlers und das teuflische Lachen jener hummerhäutigen Kreatur der Unterwelt. Die an diesem Abend dargebotenen, weniger bekannten Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersens hatten nicht nur einen unterhaltsamen Effekt. Zugleich doppelbödig, voller Witz und Hintersinn, hielten sie den Zuhörern einen Spiegel vor, bescherten neue Erkenntnisse, machten nachdenklich. So traten himmlische und höllische Wesen nicht nur als solche, sondern auch in Menschengestalt auf: Wenn Petrus als Bettler und der Teufel als arrogant-kaltherziger Mitmensch erscheinen, beschreiben sie Szenen aus dem Leben. Nicht selten wird der Böse dabei zu einem betrogenen Betrüger, während das schwache Schlitzohr den Sieg davonträgt.


Märchenhafte Atmosphäre: Die Jugendgruppe der Kleinen Bühne Schwalm-Eder und Achim Vaross als Märchenkönig (3. von links) unterhielten die Gäste der Hohlebachmühle.

Eine äußerst unterhaltsame Episode aus ihrem theatralischen Schatzkästchen präsentierte zudem die Jugendtheatergruppe der Kleinen Bühne Schwalm-Eder.

Unter der Regie von Iris Damen hatten die Nachwuchsakteure ein kurzes Theaterstück erarbeitet: Wilhelm Buschs Ritterparodie "Liebestreu und Grausamkeit" war wegen Reimform und altdeutscher Sprache keine leichte Kost.

Dennoch präsentierten die Jungmimen das ewig junge Spiel um Liebe und Leid als launigen, kurzweiligen Theaterspaß. Die Zuschauer litten mit, als sich der verliebte Ritter (Berit Kempe)

verzweifelt um die Liebe der hämischen Prinzessin (Hanne Franz) bemühte. Einen Erfolg jedoch konnte er erst verbuchen, als Doktor Kräutle (Tina Klüh) in bester Quacksalbermanier mit zauberhaften Rezepturen die Fäden für ein glückliches Ende spann. Fazit: Ein himmlischer Abend, verteufelt unterhaltsam. (ZSE)

Gern tritt die Jugendgruppe der Kleinen Bühne Schwalm-Eder auch bei anderen Veranstaltungen auf. Kontakt unter: 05681/6924 (Almuth Karger) oder 05681/1738 (Iris Damen.